Arist Dethleffs und das

Berühmt wird mit einer ähnlichen Konstruktion aber ein anderer: Arist Dethleffs. Was ihn und Artur Wasner verbindet, ist der Wunsch nach einem mobilen Zuhause. Als Juniorchef der Peitschen- und Skistockfabrik seines Vaters ist er oft wochenlang auf Dienstreise und vermisst seine Frau Fridel. Sie ihn offensichtlich genauso, denn sie schreibt ihm um 1930: "So was Ähnliches wie einen Zigeunerwagen, in dem wir gemeinsam fahren und ich malen könnte, das wäre wohl das Richtige für uns..." Als Arist Dethleffs ihr von unterwegs antwortet, liegen schon die ersten Skizzen bei: Sie zeigen einen Wohnanhänger mit Hubdach. 1932 ist der „Wohnauto“ genannte Caravan fertig, 1934 startet die Serienproduktion des windschlüpfigen geformten Modells „Tourist“. Der Rest ist Geschichte.

Serienproduktion in Rothschwaige bei München

Diesmal ist es ein Faltcaravan, der den Grundstein legt. Hans Berger, gelernter Bankkaufmann und Gründer von Sport-Berger, hat sich mit Faltbooten und Zelten einen Namen gemacht. Sein "Hausdabei" kostet nur 750 Reichsmark und lässt sich bei 200 Kilo Leergewicht auch von Kleinwagen ziehen. Der Erfolg kommt schnell: „Bereits 1938 baut der Unternehmer einen Wohnwagen am Tag, neben dem Hausdabei bietet er inzwischen auch nierenförmige Stromlinien-Reise-Wagen mit bis zu 1,82 Meter Stehhöhe an. Sein neues Erfolgsmodell ist die 3,60 Meter lange Klein-Karawane, laut Prospekt von 1937‚ein geräumiger, gut ausgestatteter 2-Bett-Wagen, der auch notfalls das Einhängen einer dritten Federmatratze in den Mittelgang gestattet‘.“ Mit einem solchen Modell und seinem Ford V8 als Zugwagen startet der Berliner Reiseschriftsteller Theo Rockefeller 1938 auf eine 7500-Kilo-meter-Tour. Er ‚ist eine Art früher Camping-Influencer, der beweisen will, dass ein Wohnwagengespann auch unter härtesten Bedingungen, die völlige Unabhängigkeit und Freiheit ermöglicht.

Seine Reise führt ihn von Berlin bis nach Nalut im westlichen Libyen, von Neapel setzt er auf dem Seeweg nach Tripolis über.“ Reisen spielen als Qualitätsbeweis für Autos und Caravans überhaupt eine große Rolle. Lina und Hans Seitz, die um 1937 ihre Firma Schweikert Wochenendwagenbau gründen, zeiht es mit ihrem Modell „Immer Daheim“ gar über das Stilfser Joch: „Im Doppelpack bezwingen sie erfolgreich den hohen Pass mit seinen herausfordernderen 82 Kehren. Mit von der Partie ist ein Motorjournalist, der fleißig Nachrichten über die Heldentat in populären Medien platziert. Auch im extrem kalten Winter von 1939 auf 1940 machen Lina und Hans Seitz wieder von sich reden: Über Wochen trotzen sie der Kälte in ihrem Immer Daheim, heizen mit Kohle und Briketts und erforschen das Klima. Die Wände sollen sie mit Torf isoliert haben – Kunststoffschäume gibt es noch nicht.“

Auch Max Würdig aus Bad Düben bei Leipzig reiste gern

Noch lieber trifft er sich allerdings mit seiner Freundin, und weil er verheiratet ist, braucht er einen möglichst flexiblen Treffpunkt. „Also baut Max Würdig sich ein Nachtquartier auf Rädern. Sehr leicht, aus Latten und Hartpapier und Sperrholz. Bootslack schützt die Konstruktion vor dem Wetter.

Eine Tür führt ins Innere, wo das Wichtigste, das Bett, eine zentrale Rolle einnimmt. Max Würdig macht umgehend Reklame für sein Produkt, das er von Hand (und nur nach Wunsch) in seiner kleinen Fahrzeugbauwerkstatt zimmert, die er bereits 1918 in Leipzig gegründet hat. Sein großer Erfolg kommt allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg - noch heute wird seine Konstruktion als "Dübener Ei" geliebt.