Am Anfang war die Sehnsucht

Am Anfang war die Sehnsucht. Müde Seelen, die den fatalen Auswirkungen der Hochindustrialisierung, der Entfremdung also von Natur und spürbarer Lebendigkeit, etwas entgegenzusetzen versuchten, wagten die Flucht nach vorn. Lebensreform wurde diese Bewegung später genannt, die im ausgehenden 19. Jahrhundert einsetzte und Urbanisierung genauso ablehnte wie Fabrikarbeit. Raus in die Natur wollten diese Freigeister, sich viel bewegen, gesund ernähren. Und campen. Auch aus der Notwendigkeit heraus, denn eine Massenbewegung, die sich in diesem Dunstkreis zusätzlich entwickelte, waren die Wandervögel. Auf tage-, manchmal wochenlangen Touren fanden sie Linderung in der Natur. Warum wir so weit ausholen? Ganz einfach: Weil es nichts weniger ist als die Geburtsstunde dessen, was wir heute am Urlaub mit unseren Reisemobilen noch genau so lieben. Christian Steiger und Thomas Wirth, die Autoren von „In der Welt unterwegs – Die Geschichte des Caravanings“ sagen: „Lange sind die jungen Naturfreunde da draußen allein. Auch das Flusswandern kommt in Mode, die jungen Leute mit ihren Kanus zelten an den Ufern der Wasserstraßen. Es dauert nicht lange, und sie schließen sich zu Vereinen zusammen, die entlang der Flüsse und Kanäle ihre eigenen Zeltplätze eröffnen. Es ist der Beginn des Campings, das damals noch nicht so heißt, später aber zur Gründung er ersten deutschen Campingclubs führen wird.“